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Bio für Alle oder Bio ist schick!

von lem

Angesichts regelmäßiger Lebensmittel-Skandale sind Bioprodukte sicher ein Markt mit Zukunft
Angesichts regelmäßiger Lebensmittel-Skandale sind Bioprodukte sicher ein Markt mit Zukunft. © lem

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland mit ökologisch hergestellten Lebensmitteln knapp 3,4 Milliarden Euro Umsatz gemacht - ein Plus von mehr als zehn Prozent. Bei den Biosupermärkten war der Umsatz prozentual gesehen, sogar doppelt so hoch.

Und alles weist darauf hin, dass der Anteil weiter kräftig steigen wird. Nach einer Umfrage des Emnid-Instituts kaufen 60 Prozent der Bundesbürger zumindest gelegentlich Bio-Produkte ein.

Die Bereitschaft der Verbraucher, für gesunde Kost mehr Geld auszugeben, hat aber längst auch der klassische Handel erkannt.

Vorreiter der Bewegung, Bio-Artikel im Supermarkt anzubieten, war Anfang der achtziger Jahre das Handelsunternehmen tegut aus Fulda. Der Weg der Bioprodukte in den konventionellen Supermarkt erwies sich am Anfang als schwierig. Ideologische Hemmschwellen, logistische Probleme und fehlende Kennzeichnung erschwerten den Einzug der alternativen Produkte in die konventionellen Regale. Aber mit rund 1800 Bioartikeln heute und einem Bio-Anteil am Umsatz von rund zehn Prozent führt tegut das Bio-Segment im konventionellen Handel mittlerweile unangefochten an. Der Weg hat scheint sich gelohnt zu haben.

Auch andere Handelsketten setzen, wenn auch noch zaghaft, auf Biolebensmittel.

Mit massivem Werbeaufwand lancierte der Markendiscounter Plus seine Biomarkenrange „BioBio“ und verdoppelte mittlerweile wegen anhaltendem Erfolg die Produktpalette auf 60 Artikel im Warenregal.

Der Konkurrent Rewe bietet unter der Marke Füllhorn in 3000 Geschäften bis zu 400 Bioartikel an, die Handelskette Edeka führt die Eigenmarke Bio Wertkost im Sortiment und selbst bei Aldi gehören Freiland-Eier und Bio-Käse zum Sortiment.

In einem Gesamtsortiment von bis zu 20.000 Artikeln muss man die Bio-Produkte bei den Branchenriesen aber noch suchen.

Das staatliche Bio-Siegel garantiert: Wo Bio draufsteht, ist auch Bio drin?
Das staatliche Bio-Siegel garantiert: Wo Bio draufsteht, ist auch Bio drin? © lem

Der Markt für Bio-Lebensmittel wächst jedoch seit Jahren. Während der Lebensmittelumsatz in Deutschland stagniert, boomt der Bio-Bereich. Das kann man nicht nur an den steigenden Umsätzen im Handel ablesen, sondern auch an der Zahl der Lebensmittel, die das staatliche Bio-Siegel tragen. Vier Jahre nach dem Start des Siegels ist es auf 29.466 Produkten zu finden. Auch die Zahl der Unternehmen, die das Bio-Siegel nutzen, steigt noch immer - es sind jetzt 1.410. Das Bio-Siegel ist zum Erkennungszeichen für Bio-Produkte geworden.

Einen wesentlichen Beitrag dazu leistete die Bundesregierung mit dem vor vier Jahren eingeführten ersten verbindlichen "Bio-Siegel" für Produkte, die nach den Vorschriften der EU-Öko-Verordnung hergestellt, verarbeitet und kontrolliert werden.

Jeden Tag kommen laut Informationen des Bundes "Ökologische Lebensmittelwirtschaft" ein neuer Zeichennutzer und 20 neue Produkte hinzu.

Dieses Wachstumstempo stellt die Öko-Landwirtschaft vor eine große Herausforderung- ein Strukturwandel steht bevor.

Der Trend geht dahin, dass immer weniger Betriebe immer größere Flächen bearbeiten. Das bereitet nicht nur vielen Ökoverbänden Kopfzerbrechen, dass kostet auch vielen Landwirten den Kopf: In Bayern (einem der größten Erzeuger für Bio-Lebensmittel in Deutschland) geben pro Jahr rund fünf Prozent der Öko-Betriebe aufgrund dieser Entwicklung ihren Öko-Anbaubetrieb auf.

Verschärft wird das Problem zudem auch noch dadurch, dass sich immer weniger Betriebe bereit erklären auf biologischen Anbau umzustellen. Mit dem wachsenden Markt für Bio-Lebensmittel sinken die Preise der Lebensmittel und damit auch die Renditen für die Erzeuger.

Da scheint sich ein Teufelskreis aufzutun: Wenn die hiesige Nachfrage nicht befriedigt werden kann, wird auf Importe aus dem Ausland zurückgegriffen.

Angesichts dieser Entwicklung gilt es die heimische Erzeugung biologischer Lebensmittel weiterzuentwickeln. Deutschland braucht wettbewerbsfähige Bauern und kritische, aufgeklärte Verbraucher.

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