Wirtschaft

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Bio für Alle oder Bio ist schick!

Wo Bio drauf steht ist auch Bio drin – oder?

Bio-Produkte ohne "Apothekerpreise" - im Supermarkt
Bio-Produkte ohne "Apothekerpreise" - im Supermarkt. © lem

Immer mehr Konsumenten greifen zu Bio-Produkten. Doch wer sich gesund und ausgewogen ernähren möchte, hat es oft schwer, sich im Labyrinth der Bio-Kennzeichnungen zurechtzufinden. „Bio“, „Öko“, „biologisch-dynamischer Anbau“ – Bezeichnungen gibt es viele und Öko-Siegel auch. Aber ist wirklich Bio drin, wo Bio draufsteht?

Wer auf Nummer Sicher gehen will, hält nach dem staatlichen, sechseckigen, grünen Bio-Siegel Ausschau. Dieses Logo kennzeichnet Produkte, die aus garantiert kontrolliert ökologischem Landbau stammen und den Bestimmungen der EU-Öko-Verordnung entsprechen. Vorgeschrieben sind nach dieser Verordnung unter anderem artgerechte Tierhaltung, Verzicht auf gentechnisch veränderte Organismen und ein überwiegender Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz.

„Bio nach EU-Öko-Verordnung“ bedeutet aber auch einen Kompromiss, auf den sich die EU-Mitgliedstaaten einigen konnten. Das Regelwerk ist dementsprechend locker: So kann z.B. auf einem Bio-Siegel-Hof gleichzeitig ökologisch und konventionell gewirtschaftet werden. Ein Bauer, der Produkte nach dem nationalen Bio-Siegel herstellt, könnte beispielsweise. neben Bio-Kühen auch Hühner auf konventionelle Art halten. Käfighaltung, Intensivfutter, Antibiotika- alles kein Problem. Den dabei entstehenden Hühner-Mist verwendet der Bauer gleich weiter und düngt damit seine Felder, auf denen das Futter für seine Bio-Kühe wächst, deren Fleisch und Milch er dann als Bio-Ware verkauft.

Wegen der Verwechselungs- und Vermischungsgefahr lassen die deutschen Öko-Anbauverbände eine nur auf Teilumstellung basierende ökologische Landwirtschaft nicht zu.

Insgesamt acht solcher Anbauverbände, die die Regeln der EU-Öko-Verordnung für nicht ausreichend halten und sich selbst strengere Regeln für die Erzeugung und Verarbeitung ihrer Lebensmittel gegeben haben, gibt es in Deutschland.

Bioland ist der größte Anbauverband in Deutschland. Das Besondere: Für Bioland arbeiten fast ausschließlich deutsche Landwirte, insgesamt 4500 Betriebe.

Naturland und Demeter – die beiden anderen großen Verbände – arbeiten weltweit. D.h. sie bringen auch Produkte in die Läden, die nicht aus Deutschland stammen wie Kaffee, Tee und exotische Früchte. Das bedeutet gleichzeitig aber auch, dass die Produkte über Tausende von Kilometern bis zum deutschen Verbraucher gebracht werden. Die kleineren Verbände wie beispielsweise Bioland, Gäa und Naturland arbeiten überwiegend regional.

Bio ist überall drin- in Produkten, die das staatliche Bio-Siegel tragen genauso wie in den Produkten der Öko-Anbauverbände. Der Unterschied wird erst im Kleingedruckten ersichtlich.

Die EG-Öko-Verordnung ist der kleinste gemeinsame Nenner des ökologischen Landbaus in der EU und lässt viele fragliche Spielräume offen. Die Richtlinien der ökologischen Anbauverbände gehen in vielen Punkten deutlich über diese Regelungen hinaus

Also Augen auf beim Biokauf!

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