Politik

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Don Camillo und Peppone:
Die Geschäfte von Kirche und Politik

Grundeigentümer im Weinberg des Herrn

Jesus in Aktion: "Und er machte eine Geißel aus Stricken ... und schüttete den Wechslern das Geld aus und stieß die Tische um." (Johannes-Evangelium 2, 15) © kli

Die evangelische Kirche veröffentliche 1962, 1975 und zuletzt 1986 Zahlen über ihren Grundbesitz. 1986 wurde ihr Land zu 6,6 % bebaut, zu 70 % landwirtschaftlich genutzt, 18,2 % waren bewaldet, 2,2 % entfielen auf Wege, Ödland sowie Gewässer und 3,1 % wurden als Friedhöfe genutzt. Leicht setzt sich die vorschnelle Idee im Kopf fest, mit der Abnahme der kirchlichen Bedeutung im Leben der Bundesbürger sinke auch der Umfang ihres Grundbesitzes. Dem ist aber nicht so. 1962 besaß sie nur 136.500 ha und 1975 schon 142.551, um 1986 auf 144.364 Hektar Land zu kommen. Das ist heute vermutlich beinahe soviel, wie 2003 die Freiland-Gemüseernteflächen in ganz Niedersachsen betrugen (151.000 ha). Man könnte es auch mit Mendoza, dem größten Weinanbaugebiet Argentiniens vergleichen, das ebenfalls 144.000 ha groß ist.

Im Unterschied zur evangelischen, gibt sich die katholische Kirche bezüglich ihres Grundbesitzes völlig bedeckt. 1937 hatte sie aber noch keine freie Wahl. Damals wurde ihr gesamter Grundbesitz auf dem Boden der späteren Bundesrepublik Deutschland auf 188.779 ha beziffert. Der evangelischen Kirche wurden 1937 137.882 ha zugeschrieben, was in etwa der Zahl von 1962 entspricht. Die FOWID schlussfolgert auf dieser Basis, dass der katholische Grundbesitz von 1937 auch etwa dem von 1962 entspricht. Dann wird eine der evangelischen vergleichbare Entwicklung auch für den katholischen Grundbesitz angenommen und außerdem auf Grundlage der Zahlen von 1937 der kirchliche Grundbesitz für die DDR bzw. die neuen Bundesländer geschätzt.

Die FOWID kommt demnach für das Jahr 2001 auf eine geschätzte Nutzungsfläche von 8.251.000.000 qm für beide Kirchen im wiedervereinten Deutschland. Das sind 825.100 ha, was der bundesdeutschen Gesamtanbaufläche für Roggen entspricht. Das ist so stattlich, dass es manchen anscheinend schon wieder peinlich ist. Denn warum sonst hat die katholische Kirche nie freiwillig Angaben über ihren Grundbesitz veröffentlicht?

Geld regiert die Welt

Aussendung: "[Jesus] gebot ihnen, nichts mitzunehmen auf den Weg als allein einen Stab, kein Brot, keine Tasche, kein Geld im Gürtel ... ." (Markus-Evangelium 6, 8f.) © kli

Die Kirchen haben außerdem Banken. Bis 2003 gab es sechs (landeskirchliche) evangelische Kreditinstitute, wovon 2003 zwei miteinander fusionierten, 2006 zwei weitere. Katholischerseits bestehen vier Banken.

Am dort einliegenden Kirchenkapital kann man abzüglich der Privatkundschaft von etwa 10 % das Finanzvolumen kirchlicher Institutionen (Kirche, Caritas, Diakonie) erkennen. Unsichtbar bleiben dabei aber immer noch Spezialfonds und Kundendepots (mit Wertpapieren). Die FOWID gibt außerdem zu bedenken: „Das gesamte Kapitalvermögen beider Kirchen wird auf die (mindestens) dreifache Summe der bei den Kirchenbanken deponierten Gelder geschätzt, da rund zwei Drittel der Kontenverbindungen im kirchlichen Bereich bei Geschäftsbanken bestehen, bei denen der Kapitalbestand in dieser Hinsicht öffentlich unsichtbar bleibt.“

Die evangelischen Banken haben 2004 etwa 10,5 Mrd. einliegen, die katholischen 11, 2 Mrd. Euro. Die evangelischen Banken sind seit 2003 etwas im Abwärtstrend begriffen (von 11,4 auf 10,5 Mrd. Euro), aber immer noch 900 Mio. Euro über dem Stand von 1997, die katholischen hingegen steigern ihren „Kirchenschatz“ kontinuierlich seit 1997 um durchschnittlich 631 Mio. Euro pro Jahr – und das trotz allgemeiner Jammerstimmung wegen zurückgehender Kirchensteuereinnahmen. 2004 waren die konfessionellen Banken also über 20 Mrd. Euro schwer. Davon 10 % Privatkunden abgezogen, bleiben 18 Mrd. Euro. Mit der von der FOWID geschätzten Verdreifachung des Betrages ergibt sich eine Kapitalrücklage von mindestens 50 Mrd. Euro. Ein hübsches Sümmchen, bei dem sich mancher fragen mag, warum er überhaupt noch etwas in die Kollekte wirft oder Krisenmeldungen der kirchlichen Finanzverwalter mit Entsetzen aufnimmt.

Mehr Schein als Sein

Jede der beiden großen Konfessionskirchen hat jährlich etwa 10 Mrd. Euro zur Verfügung. Hinzu kommen verschiedenste Rücklagen, Besitztümer und an allen Ecken und Enden staatliche Fördermittel. All das wäre ja schön und gut, wenn ein beträchtlicher Anteil in die soziale Arbeit flösse. Aber auch dort ist von der Kirche kaum mehr als die Trägerschaft zu sehen – und das damit fälschlicherweise einhergehende Renommee. Das Geld im Sozialbereich kommt zu etwa 98 % von Anderen. Auf die beiden Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie entfielen 2003, finanziell gesehen, 35, 4 % der gesamten sozialen Aufwendungen in Deutschland, nämlich knapp über 37 Mrd. Euro von insgesamt 105 Mrd. Euro. Von diesen 37 Mrd. Euro kam das meiste aber durch Gebührenerhebungen und staatliche Zuschüsse sowie durch Spenden zusammen. Die Kirchen gaben aus ihren eigenen Haushalten als sog. „Kirchenquote“ nur 828 Mio. Euro dazu. Das sind gerade mal 2,2 %. Wer wollte das nennenswert nennen? Verkehrte Welt: Kaum zu rechtfertigende Finanzmachenschaften werden in gegenseitiger Überbietung tunlichst verschwiegen, aber die publicityträchtige Wohlfahrtsarbeit wird ohne wirkliche Grundlage öffentlich ausgeschlachtet. Ob das dem Herrn gefällt?

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