Politik

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Über 500 Arbeitsplätze weg und nichts dazugelernt

Spontanstreik am 28. April: Belegschaft und Betriebsrat wehren sich. © IG BCE

Ende 2005 hat Huhtamaki den Großteil seiner Göttinger Produktion endgültig eingestellt. Das ist sicher. Nur die Herstellung beschichteter Papiere für Adressen und Ähnliches läuft profitabel in Göttingen weiter. Diese Restproduktion im Silikonbereich benötigt jedoch nicht mehr als 70 Beschäftigte. Das große Werksgelände liegt somit größten Teils brach. Von den über 500 arbeitslos Gewordenen werden höchstens die wenigen Jüngeren überhaupt eine Chance haben, erneut eine Arbeit zu finden. Die „exzellenten“ Verpackungen für Eis-, Joghurt- und Buttermilch stellt Huhtamaki allerdings auch weiterhin her. Nur: nicht mehr in Göttingen, sondern höchstwahrscheinlich irgendwo in Süd- oder Osteuropa. Ein Konzern, der ansonsten noch immer Gewinne im dreistelligen Bereich erzielt, hat aus den Göttinger Verlustgeschäften endgültig eine Konsequenz gezogen, die niemanden in Göttingen gefallen dürfte. Auch den Göttinger Politikern nicht.

Die zeigten sich im Mai 2005 auch demgemäß betreten und bekundeten allesamt ihre Solidarität und Anteilnahme mit den nun arbeitslos gewordenen, fast 600 Beschäftigten. Die zeigten sich auf einer vom DGB organisierten Kundgebung davon jedoch wenig beeindruckt. Kein Wunder, die Beileidsbekundungen der Politiker kommen ja nun auch reichlich spät. Ebenso ihre eifrig bekundeten und doch allesamt fehlgehenden Versuche, Huhtamaki noch umzustimmen. Es ist ja kaum anzunehmen, dass Huhtamaki eine einmal öffentlich gemachte Entscheidung wieder zurücknimmt. Ist den Göttinger Politikern die ganze Zeit entgangen, was sich ja bereits seit 2003 abzeichnete und was der Betriebsrat Walter Stelzel immer wieder versuchte, dem Huhtamaki-Konzern zu verdeutlichen?

Vom Werk Weende ging’s bis in die Innenstadt, 11. Mai. © IG BCE

Wohl kaum. Denn siehe da, die regierenden Politiker haben nicht nur nichts gewusst von der zunehmenden Unwirtschaftlichkeit der Weender Herstellung, sie haben das Werk sogar subventioniert. Das Unternehmen hat für eine Restrukturierung und den Ausbau des Standortes Göttingen öffentliche Mittel in erheblichem Umfange in Anspruch genommen, so drückt es der Landtagsabgeordnete Harald Noack von der CDU aus und bedauert, dass diese Mittel nicht zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit genutzt wurden und dass die Firmenleitung nun, im Mai 2005, nicht mehr mit sich reden lässt, was den Standort Göttingen betrifft (s. auf www.haraldnoack.de den News-Artikel „Aus für den Huhtamaki-Standort durch falsche Unternehmenspolitik“ vom 11.05.2005).

Ja, wozu subventioniert eine Landesregierung ein Unternehmen eigentlich? Seltsame Frage. Natürlich, damit mit dem Unternehmen auch der Standort floriert. Müssen sich dann nicht aber auch diejenigen, die die Mittel empfangen, dem Standort verpflichten? Es kann doch nicht sein, dass ein Unternehmen das Geld nimmt und dann an einem anderen Standort floriert. Auch wenn es nicht klappt mit dem Florieren, muss klar sein, dass die vom Steuerzahler herausgegebenen Gelder von einem ansonsten profitablen Konzern wie Huhtamaki zurückgeführt werden, oder?

Wäre es nicht an den Politikern gewesen, hierfür zu sorgen? „Man kann ja gar nicht so schnell Arbeitsplätze schaffen, wie sie abgebaut werden.“ so klagt Thomas Oppermann (SPD) laut Extra Tip vom 15.5.2005 (Artikel: „Finnischer Frost verschärft die soziale Kälte“). Aber hätte man nicht schon längst und nicht erst jetzt Gespräche mit der Werksleitung in Finnland, mit den Geschäftsführern in Deutschland und den Gesellschaften führen müssen, wie es in anderen Ländern ja auch gang und gäbe ist? Hätte man sich nicht schon lange einschalten und nach dem Wohlergehen des seit 2003 kränkelnden Patienten erkundigen können? Hätte man nicht die Finnen rechtzeitig davon überzeugen sollen, dass Göttingen, dass Deutschland noch immer ein zentraler und attraktiver Standort ist?

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