Politik

Seite 1 · Seite 2 · Seite 3

Über 500 Arbeitsplätze weg und nichts dazugelernt

Spontanstreik am 28. April: Nicht nur die Gabelstapler ruhen. © IG BCE

Ja, hätte man nur. Doch was andere Länder erfolgreich betreiben, eine ständige Kommunikation mit der Wirtschaft, das ist hierzulande noch ein Fremdwort. Dabei hätte solch Aufklärungsarbeit durchaus schlagkräftige Argumente und manch reales Beispiel auf seiner Seite gehabt. Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit ist gestiegen, wie die Statistik zeigt (s.u.). Und nicht nur das. Die Format Tresorbau GmbH hat ihre Produktion sogar von Polen zurück nach Deutschland, nach Nordhessen verlegt. Geschäftsführer Michael Kleinert bekennt, dass unter anderem die steigenden Lohnkosten in Osteuropa sowie die von Maut und Benzinpreisen in die Höhe getriebenen Transportkosten, ein Grund für den erneuten Standortwechsel vom polnischen Bromberg nach Nordhessen gewesen seien: „Wir sehen Hessich-Lichtenau als idealen Standort, um Zentraleuropa zu günstigen Preisen und mit kürzesten Lieferzeiten zu bedienen.“ Zudem sei die Qualität der Fertigung in Deutschland besser. Ermöglicht werde die Rückkehr durch den Bau einer automatischen Fertigungsstraße, der den Lohnkostenanteil von 30 auf 10 % senke. Trotzdem wird Format langfristig 200 Arbeitnehmer beschäftigen, und das ist für die Branche schon eine Zahl. Hier hat ein Unternehmen seine Hausaufgaben gemacht. Ein weiteres Beispiel dafür, dass die Region als Wirtschaftsstandort mehr als taugt, ist das Unternehmen Otto Bock in Duderstadt, das weltweit für qualitativ hochwertige und technologisch herausragende Produkte und Dienstleistungen in der Orthopädie- und Reha-Technik steht.

Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit ist gestiegen
Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit ist gestiegen. Quelle: DATASTREAM

Nordhessen und Niedersachsen bieten unter anderem durch ihre zentrale Lage, ihre Infrastruktur und ihre ICE-Anschlüsse einen optimalen Standort in Europa. Nicht nur, dass die Produktionsbedingungen sehr gut sind, es stehen auch hoch qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung. Eine kluge Politik, die sich für die Region einsetzt, sollte da Werke wie Huhtamaki hinsichtlich ihrer Standortpolitik zur Besinnung zu bringen vermögen, vielleicht gar zu einer Entscheidung wie der von Format Tresorbau bewegen.

Wie hilflos sind die Politiker eigentlich? Welchen Einfluss haben sie auf Unternehmen, die nicht nur mehr und mehr ihrer Arbeitskräfte entlassen, sondern gar den Standort wechseln und in Ost- und Südeuropa auf billigere Lohnkosten setzen? Wozu können sie die Unternehmen vertraglich verpflichten, denen Subventionen zugesprochen werden? Werden dem Beispiel Huhtamakis in Göttingen noch weitere folgen? Werden die Politiker Entlassungen weiterhin hilflos gegenüber stehen? Neben den Entlassungen bei Huhtamaki sind es die bei der Gothaer, die von sich reden gemacht haben. Wie viele Entlassungen, Firmenaufgaben und Wechsel des Produktionsstandortes von Deutschland fort, gibt es, von denen nichts bekannt ist? Geben wir zumindest die Hoffnung nicht auf, dass vielleicht die regionalen Politiker immer frühzeitiger Bescheid wissen und auch Bescheid geben. Das heißt, nicht nur frühzeitig zielgerichtet handeln, sondern auch frühzeitig öffentlich machen, wie es um den ihrer Zuständigkeit unterliegenden regionalen Wirtschaftsstandort und die ansässigen Unternehmen steht.

Seite 1 · Seite 2 · Seite 3