Politik

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Göttinger Immobilien im Ausverkauf

Aachener Grund

Aachener Grund: ein Grund von vielen, aufmerksam zu werden und zu bleiben.

Die Aachener Grundvermögen ist nach eigenen Worten auf die Interessen und Bedürfnisse kirchlicher Anleger spezialisiert. Sie verfolgt dabei eine konservative, auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit ausgerichtete Anlagestrategie. Im Schwerpunkt investiert sie in Einzelhandelsimmobilien in den gewachsenen, innerstädtischen Fußgängerzonen.

Doch aufgemerkt: Wer hier Göttinger Immobilien erwirbt und umgestaltet, ja der Stadt ihre Entwicklungschance verpasst, lebt und wohnt gar nicht in Göttingen. Die, die so genau wissen, wie es sich mit den Entwicklungs-Chancen in einer Stadt wie Göttingen verhält, kennen Göttingen und seine Geschäfte und Einzelhändler, über die sie so leicht verfügen, deren Gefüge und heutigen Charme sie verändern wollen, gar nicht. Es sind Großunternehmen aus anderen Städten, die da von Düsseldorf, Köln oder Hamburg aus besser als die, die in Göttingen leben, zu wissen glauben, welche Entwicklung, welche Umgestaltung gut für die Zukunft der Stadt sei. Da kommen sie also daher und kaufen in der Göttinger Innenstadt Häuser auf, als würden sie auf dem Grabbeltisch feilgeboten.

Wer steckt eigentlich namentlich hinter dem Sparkassenkauf?
Wer steckt eigentlich namentlich hinter dem Sparkassenkauf? © kli

Es wurde ja gemunkelt, die Comfortgruppe stecke auch hinter dem Sparkassenkauf. Sicher, nicht alles, was gemunkelt wird, beruht auf handfesten Informationen. Doch sollten gerade diejenigen, die in Göttingen Innenstadtpolitik betreiben, sich rechtzeitig erkundigen, ob nicht doch etwas an dem, was gemunkelt wird, dran ist. Vor allem, wenn Namen wie Comfort oder auch ECE auf einen erfahrenen Projektentwickler und Player weisen. Einen Profi, der ein durchaus vergleichbares Projekt, wie das in Göttingen geplante, zurzeit in Braunschweig am Damm errichtet. Oder auch einen Profi, der bereits der Siegener oder Bautzener Altstadt zu einem Shopping-Center und damit zu einem veränderten Altstadteinzelhandel verholfen hat.

Klare Aussage

Am 23.11.2005 hatte die SPD Fraktion in der Galerie Apex zu einer Diskussion über das Einzelhandelskonzept der Stadt Göttingen eingeladen. Tom Wedrins, Fraktionsvorsitzender der SPD, führte aus, dass seine Partei einen Konsumtempel auf dem Stadtbadgelände verhindert hat.

Auf ausdrückliche Nachfrage in der anschließenden Diskussion erklärte Wedrin, dass die SPD und die Fraktion geschlossen gegen die Ansiedlung eines großen Einkaufszentrums auf dem Stadtbadgelände sei. Vielmehr müsse eine verträgliche Lösung, das heißt, Wohnen, Büros und untergeordneter kleiner Handel die wesentliche Rolle spielen.

Kommentar: Das ist doch einmal eine klare Aussage und zudem ein vernünftiger Standpunkt.

Erst einmal ist von einem großen Unbekannten die Rede. Kaum jemand weiß namentlich, wer das Sparkassengebäude gekauft hat. Doch nach Auskunft der Sparkasse, wolle der Investor in den unteren Etagen großflächigen Einzelhandel ansiedeln und ziele auf keine große Lösung, das heißt auf eine Mall, die außer dem Sparkassengebäude das ehemalige Stadtbadareal und das Carré mit einbeziehe, ab. Ist das denn wahr? Ist die große Lösung damit wirklich vom Tisch? Wer die Medienberichterstattung zum Thema in Göttinger Tageblatt (GT am 10.10.2005: "Sparkasse verkauft ihr Gebäude an der Weender") und auch der HNA verfolgt hat, findet der Widersprüche genug. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel "Vom Aussterben bedroht: Göttingens liebenswerte Seitenlagen".

Vieles ist in der Vergangenheit bereits zu spät oder gar nicht angefasst worden. Sind die Weichen erst einmal falsch gestellt, ist einem kleinen Händler und Hauseigentümer nach dem anderen sehr schnell der Boden unter den Füßen weggezogen. Sind Gebäude ohne Denkmalschutz, zum Beispiel aus der Gründerzeit, erst einmal abgerissen, gibt es kein Zurück mehr. Was hier dringend eingefordert wird, ist eine Vorsorge, die sich um das, was Göttingen bereits eigen ist, sorgt, anstatt auf von außen eingeflogene Magnetbetriebe zu setzen.

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