Gesellschaft

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Glosse

Nun kost der Sprit schon 9, 99!

von str

Benzinpreise: Quo vadis, am Tegernsee im Oktober 2005 aufgenommen
Benzinpreise: Quo vadis, am Tegernsee im Oktober 2005 aufgenommen. © Göttinger Brief

Alle wollen sie fahr’n. Das macht Spaß, und ist der Sprit auch noch so teuer. Davon wusste schon Markus im Jahre 1982 ein Lied zu singen. Heute ist er nicht der einzige, der, wenn er die Benzinpreise sieht, sein Spritlied anstimmt. Doch von wegen „und kost’ Benzin auch drei Mark zehn. Scheißegal, es wird schon gehn.“ Was angebrochen ist, das sind die Eurozeiten und in denen ist’s eben auch um den Spaß beim Fahrn und seinen Preis ganz anders bestellt als noch zu DM-Zeiten.

Die Spaßgesellschaft hat sich mit dem Euro zugleich ihre Eliten geschaffen. Erst kamen die Eliteunis, und jetzt also das Elitebenzin. So billig wie ehemals kommt heute keiner mehr davon. Weder in der Bildung, noch auf der Straße. Die Pfennigfuchser sind endgültig den Eurofuchsern gewichen und die nehmen weder auf arme Studenten noch auf arme Autofahrer Rücksicht. Jetzt kost der Sprit schon 9, 99. Das ist allerhand. Sprit nur noch für Millionäre sozusagen. Da soll Mann und auch Frau sich nun mal nicht aufregen. Was zuviel ist, ist zuviel. Ohne Auto geht schließlich heute aber auch schon gar nichts mehr. Keine Chance nirgends mehr, sozusagen. Weder in Beruf, noch in Familie. Wir wollen doch alle schön flexibel und mobil bleiben, oder? Und was bitte schön, soll aus dem Ego des Mannes werden, wenn das Benzin 9, 99 Euro pro Liter kostet?

Ja, um Gas zu geben und sein Ego zu befriedigen, muss Mann schon ganz schön was auf der hohen Kante haben. Manch Mann wird sich da wohl damit begnügen müssen, seine Prachtkarosse am Sonntag aus der Garage zu schieben, und vor den Augen des neidischen Nachbarn geflissentlich noch blanker als blank zu polieren, bevor er sie wieder in die Garage zurück schiebt. Und das war’s schon. Zeigen, was in meinem Auto steckt, mindestens 210, ist nicht mehr.

Der Zweitwagen für die Frau, der erledigt sich sowieso von selbst. Ist ja nicht das erste Mal, dass das liebe Geld manch Emanzipation ein Ende bereitet. Hat nicht noch neulich der ADAC die Schmerzgrenze der deutschen Autofahrer bei einem Euro 24 pro Liter Superbenzin erreicht gesehen? Und nun das. 9, 99 Euro selbst für Diesel kündet die Preistafel weiß auf blau. Einmal vollgetankt, bitte, sagt da die Hausfrau in ihrem Polo mit 40 Liter Tank. Das macht 399 Euro und 96 Cent, sagt der Tankwart. Au weia, denkt die Frau, da bleibt mir ja von meinen 400 Euro vom 400 Euro-Job in diesem Monat nicht mehr allzu viel auf dem Konto. Gerade einmal ein Plus von 4 Cent, mehr nicht. Eurozeiten, schwere Zeiten.

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