Gesellschaft

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Glosse

Nun kost der Sprit schon 9, 99!

Alle wollen sie fahr’n – und das möglichst hochkarätig.
Alle wollen sie fahr’n – und das möglichst hochkarätig. © kli

Wer profitiert, das sind mal wieder die Reichen. Wer sonst? Die können es sich leisten und haben jetzt also nicht nur die Unis, sondern auch noch die Autobahnen für sich, oder etwa nicht? Was wohl die Linken von solch Reichenförderung bei den Benzinpreisen halten? Schuld sind natürlich die Mineralölkonzerne mit ihrer Geldgier. Oder sollte es etwa die Kriegs-, Außen- und Wirtschaftspolitik der Amerikaner sein? Es seien die Verwüstungen des Hurrikans Katrina, der alle Raffinerien der Amerikaner zum Opfer gefallen sind? Nun ja, die Amerikaner wissen es eben doch noch immer, sich möglichst medienwirksam aus jeder Affäre zu ziehen. Aber, nein halt, natürlich, wer sonst als die Ökosteuer kann solch Preisanstieg verursacht haben!

Klar, ich erinnere mich doch! Waren es nicht die Grünen, die einmal 5 Mark pro Liter Benzin gefordert haben? Na, bitte. Der Sündenbock ist gemacht und schon hat die Seele ihre Ruh. Die Ökos, die machen uns doch wahrlich mit ihrer Umweltmacke das Leben schwer, verderben einem aber auch jeden Konsumspaß. Was hat denn unser einer bei all dem Stress noch, außer seinem bisschen Spaß. Und Autofahrn, das macht eben Spaß. Ich jedenfalls geb weiterhin Gas! Das können Sie man glauben. Irgendwie muss Mann sich ja abreagieren. Die könn mich doch mal, die Ökos mit ihrem Abgasgemähre: Benzin sei eine nicht-regenerative Energiequelle, ein kostbarer und zudem umweltschädlicher Treibstoff. Bla bla bla, lauter Worthülsen, Menschen kommen in solch Phrasen ja sowieso selten genug vor. Die führen da oben doch alle ein und dieselbe Sprache. Dennoch: Wenn das mit den 9, 999 Euro pro Liter man nicht auf die Kappe der Grünen geht. Man weiß ja, vom Flaschenpfand bis zum Windrad, das die immer mit den lustigsten Pannen aufwarten.

Sie brauchen sich ja nur einmal ansehen, wer da jetzt unsere Straßen bevölkert! Dann wissen Sie, was Sache ist und wozu solch Preispolitik führt.  Nun gut, auf der linken Fahrspur nichts als Millionärskutschen und Luxuslimousinen: Porsche, Lamborghini, Ferrari, Jaguar, Maserati, Mercedes, ein dicker BMW hinterm anderen. Rasen mit Lichtgeschwindigkeiten dahin und befeuern sich gegenseitig mit Lichthupen. Bis es kracht und nicht nur die Nobelkarosse hin ist. Nun schauen Sie sich jedoch einmal die rechte Fahrspur an! Sehen Sie, was da in großen Abständen hinter einander her kreucht? Die Kleinbus-Ökos! Deren Politik heißt nämlich: Mitfahrgemeinschaft. So sieht sie aus, ihre soziale und umweltfreundliche Masche: Wie Sardinen in der Ölbüchse stapelt sich Kleingeldverdiener an Kleingeldverdiener, um wenigstens noch ein bisschen mobil zu bleiben. Wenn das Rennen auch die anderen machen. Die, die noch immer Gas geben und ihren Spaß haben. Egal, was die Umwelt dazu sagt. Ein wenig erinnert das schon an das 19. Jahrhundert, nur dass sich damals die Armen nicht in ein Auto und auf einen Sitz, sondern in ein Bett und Zimmer quetschten. Und das nennt sich moderne Eurozeiten.

Nun gut, lassen wir sie ruhig dahinbrausen, die Benzinelite. Und lassen wir sie reden, die Leute, und sich aufregen. Wann wäre dabei je schon viel Gescheites gesagt worden? Solch Mitfahrgelegenheiten für die, die sich allein das Benzin nicht mehr leisten können, sind doch eigentlich eine recht schnucklige Angelegenheit. Nur: Geheuer kann einem das ja nun wirklich nicht mehr sein, was da an Ölpolitik betrieben wird. Ob kleiner Mann oder kleine Frau, müssen wir das eigentlich alles wirklich mit uns machen lassen? Ob Preispolitik, ob Bildungspolitik, nicht nur im Euro steckt hier manch Wurm und Fehlinformation. Und mit der Technik allein ist noch lange kein Fortschritt gemacht. Die funktioniert nämlich nicht immer richtig, und das nicht nur dann, wenn es „nur“ um die Literpreise an einer Tankstelle geht.

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